Teil 1: Agile Techniken und Methoden im Überblick

Agile Methoden – woher sie kommen, was sie können und für wen sie sich (besonders gut) eignen. Unsere neue Blogreihe stellt Ihnen die bekanntesten agilen Methoden und deren Einsatzmöglichkeiten vor.

Ing. Oliver Dragoun zPM, PcE

Ing. Oliver Dragoun zPM, PcE

492 Wörter • 4 Minuten

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Alle wollen agil sein – doch was heißt das genau? Fragen wir unsere Kunden, dann hören wir oft: „Es geht schneller. Ich muss nicht so genau wissen, was ich machen möchte/soll. Ich brauche keinen Plan. Ich bin flexibler.“ Nun, nicht alle diese Behauptungen treffen den ureigenen Entstehungssinn von agilen Methoden. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Werte hinter agilen Vorgehensweisen stehen, was das für Organisationen bedeutet und welche Methoden für die Verbreitung und Anwendung von agilen Methoden von zentraler Bedeutung sind.

Abb. 1: Klassische Projektmanagement-Planung vs. agile Vorgehensweise Abb. 1: Klassische Projektmanagement-Planung vs. agile Vorgehensweise

Agile Werte

Gehen wir ca. 20 Jahre in die Vergangenheit, in das Jahr 2001 zurück. Hier trafen sich 17 erfahrene Softwareentwickler (u. a. Ken Schwaber, Jeff Sutherland und Mike Beedle) mit dem Ziel, eine gemeinsame Grundlage für einen agilen Ansatz zu finden; daraus entstand das Agile Manifest, welches als grundsätzliche Wertehaltung für die darauf basierenden agilen Methoden zu verstehen ist. Ohne nun dieses Manifest detailliert abhandeln zu wollen, ist es jedoch wichtig, das dahinterliegende Wertesystem zu kennen. Denn dieses Wertesystem liegt zum einen allen agilen Ansätzen zugrunde und kann zum anderen eine massive Auswirkung auf betroffene Organisationen haben.

Doch von welchen agilen Werten sprechen wir hier? Schon ein kleiner Auszug macht schnell die Richtung klar, geht es doch um:

  • Selbstorganisierte, selbstgeführte Teams
  • Selbstreflexion
  • Kundenzufriedenheit, die im Mittelpunkt steht
  • Face-to-Face-Kommunikation
  • Änderungen der Anforderungen sind willkommen
  • Unterstützung und Vertrauen

Was heißt das nun für die betroffenen Organisationen? Stellen Sie sich ein über viele Jahre traditionell (hierarchisch) geführtes Unternehmen vor: Wie leicht ist es, in einem solchen Unternehmen Mitarbeiter zu selbstorganisierten Teams ohne Führungsperson zu entwickeln? Genau anders herum könnte es sich in einem jungen Start-up-Unternehmen verhalten. Hier könnte die bestehende Unternehmenskultur schon eine sehr gute Basis für agile Vorgehensmodelle darstellen. Es ist vielleicht schon erkennbar, dass es bei agilen Vorgehensmodellen nicht ausschließlich darum geht, die Methoden und Techniken gut zu kennen und zu können, sondern auch darum, das Wertesystem im Unternehmen als Basis für die Methoden zu generieren.

Zusammengefasst kann man festhalten:

  • Agile Werte bilden das Fundament und die Handlungsgrundsätze
  • Agile Methoden geben agilen Techniken eine Gesamtstruktur
  • Agile Techniken sind konkrete Verfahren zur Umsetzung der agilen Methoden.

Agile Methoden

Es gibt eine Fülle an agilen Methoden, und man könnte das Gefühl haben, dass es täglich mehr werden. Die Studie „Status Quo Agile“1 hat u.a. Scrum, Kanban und Design Thinking als (zentral) bedeutend für die Verbreitung und Anwendung von agilen Methoden identifiziert – und diesen Methoden möchten wir uns in unserer Blogreihe widmen.

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Quellen


  1. Status Quo Agile, Studie zu Verbreitung und Nutzen agiler Methoden, FH Koblenz 2015, https://www.gpm-ipma.de/fileadmin/user_upload/Know-How/studien/Studie_Agiles-PM_web.pdf, DL 25. 07. 2019 

Relevante Projektmanagementbegriffe

Agiles Projektmanagement  

Agiles Projektmanagement ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Projektmanagementmethoden, die ursprünglich v.a. aus der Softwareentwicklung stammen. Meist verfolgen sie einen iterativen Prozess, das heißt, dass das Projekt nicht vollständig durchgeplant und abgewickelt wird, sondern Aufgaben und Anforderungen werden laufend neu verfasst, was ein dynamischeres und flexibleres Projektmanagement ermöglicht. Zu bekannten agilen Projektmanagementmethoden zählen Kanban und Scrum.

Kanban-Board  

Ursprünglich entwickelt um den Produktionsprozess zu unterstützen, verfügt das Kanban-Board oft über die drei Spalten „Offen“, „In Arbeit“ und „Abgeschlossen“. Arbeitselemente werden meist als Rechtecke (physisch z.B. mit Haftnotizzettel) dargestellt und befinden sich je nach Status in den dazugehörigen Bereichen. Hat sich der Status des Arbeitselements verändert, wird dieses in den jeweiligen Bereich verschoben.

Scrum  

Scrum ist eine agile Projektmanagementmethode, die vor allem in der Softwareentwicklung eingesetzt wird. Scrum besteht aus wenigen Regeln, die den sogenannten Core beschreiben. Der Grundgedanke ist, dass ein Projekt nicht von Anfang bis Ende durchgeplant wird, sondern die Entwicklung iterativ mit kurzen Feedback-Schleifen, den sog. Sprints, erfolgt.

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